Warum Bonn die schönste Stadt ist

Veröffentlicht am 17. Juni 2020

 

Home is where the heart is

Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Besuch in Bonn. Es war im Januar 2015 und ich besuchte mit meiner Mom mehrere Städte in Deutschland, um sie mir als potentielle Unistädte anzugucken. An dem Wochenende war es saukalt – nicht unüblich im Januar – und dennoch hatten sich einige junge Menschen im Hofgarten getroffen und warfen sich dort einen Football zu. In kurzen Hosen und T-Shirts. Ich dachte nur: „Was sind das denn für Verrückte?“ Und dann: „Oh, ist das toll, hier will ich leben.“

Neuanfang in der Bundesstadt

Acht Monate später setzte ich diesen Gedanken in die Tat um und schrieb mich im September für Politik und Gesellschaft und Medienwissenschaft ein. Das Glücksgefühl, als ich aus dem Studierendensekretariat auf die herbstliche Poppelsdorfer Allee trat, werde ich nie vergessen. Ich war nun Studentin und ich würde in ein paar Wochen nach Bonn ziehen. Die folgenden vier Jahre würden geprägt sein von guten und schlechten Tagen, von guten und schlechten Erfahrungen, von vielen neuen Bekanntschaften, aus denen einige Freundschaften wurden, von vielen Sommer- und nur wenigen Regentagen – von Momenten, an die ich mal mehr, mal weniger gerne zurückerinnerte. Doch sie alle änderten nichts an einer Tatsache: meiner Liebe zu Bonn.

Ich war zuvor in meinem Leben erst einmal umgezogen und das war, als ich zwei war. Ich stand also noch nie zuvor vor der Aufgabe, eine Stadt komplett neu kennenlernen zu müssen. 18 Jahre hatte ich in meiner Heimatstadt gewohnt, kannte (fast) jede Ecke, die besten Cafés, die Eisdiele mit dem leckersten Eis, die schönsten Orte, um den Abend ausklingen zu lassen und die coolsten Aktionen, um mit Freunden Spaß zu haben. Und dann? Dann kam Bonn. Auf einmal wohnte ich in einer Stadt, in der ich jeden Weg mit Google Maps bestreiten musste, nicht eine Menschenseele kannte und froh war, dass ich wenigstens ein Dach über dem Kopf hatte.

Aller Anfang ist schwer… auch in Bonn

Meine erste Uni-Woche verlief nicht gerade glanzvoll. Schon auf dem Weg zur Ersti-Woche geriet ich mit dem Fahrrad in eine Straßenbahnschiene und legte mich ordentlich auf die Klappe. Nein, ich war mir mit meinen 20 Jahren nicht zu fein, um mein blutendes Knie und aufgeschrabbte Hand zu beweinen. Peinlich wurde es dann allerdings doch, als ich bemerkte, dass mir dieser elegante Abgang direkt vor meinen neuen Kommilitonen gelungen war. Heute kann ich darüber herzlich lachen, das Fahrrad habe ich jedoch nach diesem Vorfall weitestgehend in der Garage stehengelassen und stattdessen den Luxus unseres Semesterstickets ausgekostet.

Was mir diese Aktion allerdings einbrachte, waren Gesichter, die ich nun kannte. Und die mich kannten. Und auf einmal war ich nicht mehr so seelenallein in dieser Stadt. Ich werde nie den Moment vergessen, als ich zum ersten Mal einen Kommilitonen auf der Straße erkannte und er mich. Da dachte ich: „Jetzt bist du hier angekommen.“ Ab da ging es richtig los.

Meine Vorlesungen und Seminare fanden entweder im Hauptgebäude, in der Alten Sternwarte neben dem Studierendensekretariat oder in der Lennéstraße statt. Während ich von Seminar zu Seminar hetzte, blieb ich nicht nur einmal stehen, um den Blick vom Kaiserplatz auf die Poppelsdorfer Allee und das Schloss zu genießen. Meine Pausen verbrachte ich auf einer Bank im Hofgarten oder manchmal mit einem kurzen Abstecher zum Rhein. Selbst in dieser kurzen Zeit von 15 Minuten schenkte Bonn mir wunderschöne Aussichten, einen Moment der Ruhe anstatt von Straßenbahnlärm, eine frische Brise anstatt stickiger Stadtluft. An was für einem wunderschönen Ort ich mich im Alltag verlieren durfte.

In meinen ersten Semesterferien verbrachte ich sage und schreibe sieben Wochen zuhause. Als ich wiederkam, hätte ich beinahe einen Unfall gebaut: Noch nie hatte ich Bonn im Frühling gesehen! Ich war so überwältigt von all dem Grün in meiner Straße, den Blüten und den Sonnenstrahlen, die durch die Blätterkronen fielen, dass ich für einen langen Moment nicht mehr auf die Straße achtete. Ein Glück, dass nichts passiert ist! Der Frühling in Bonn ist magisch. Nicht nur die Heerstraße beheimatet Kirschblüten, nein, die Bäume finden sich überall! Ausgiebige Spaziergänge durch die verschiedenen Stadtteile sind zu jeder Jahreszeit ein eigenes Event für sich.

Warum Bonn die schönste Stadt ist

Ich weiß nicht, wie viele Abende ich am Rhein verbracht habe. Mal bin ich stundenlang mit meiner besten Freundin das Ufer entlang gelaufen und wir haben über das Leben gequatscht. Mal haben wir als Gruppe zusammen unser Feierabendbier genossen. Und hier hatten mein Freund und ich unser erstes Date. Oft war ich auch allein dort und habe die Schiffe beobachtet. Fernweh haben sie in mir ausgelöst mit ihren Flaggen aus Ländern aller Welt. Die Welt wollte ich entdecken, auf Reisen gehen und die schönen Orte dieser Welt erkunden.

Ich musste erst aus Bonn wegziehen, um zu erkennen: Egal, wo ich auf dieser Welt sein würde, mein Herz wird sich für immer in dieser Stadt am Rhein, die viel zu viel Aufsehen um ihren berühmtesten Bürger macht; die Schauplatz von Welt- und – wie sie stur beharrt – auch von Bundespolitik ist; in der bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen gemacht wurden und die sich „exzellent“ rühmen darf, zuhause fühlen.

All die Erinnerungen, die ich hier sammeln durfte: Die erste Stadt, die mein „neues Zuhause“ wurde, die dabei zugesehen hat, wie ich erwachsen wurde, die mich stets sicher nach Hause begleitet hat und die mich noch immer mit einem wunderschönen Sonnenuntergang willkommen heißt, wenn ich über die Nordbrücke mit Blick auf den Rhein in die Stadt hineinfahre…

Keine Frage: Bonn ist eine schöne Stadt. Die vielen Touristen kommen nicht nur wegen der Geschichte und der politischen Bedeutung der Stadt hierher. Die Kölner beneiden uns nicht umsonst um unsere „grüne Stadt“. Und die Kirschblüte ist ein Phänomen für sich. Aber für uns – für uns als Studierende, die wir hier Fuß fassen dürfen, die wir Bonn unsere Wahlheimat nennen dürfen – für uns bedeutet Bonn als „schönste Stadt“ so viel mehr als das Schloss, die Natur und die Architektur.

Als ich eine Nachmieterin für mein WG-Zimmer gesucht habe, hatten wir ein Interview mit einer Österreicherin, die erst einmal „zur Probe“ für ein Semester nach Bonn kommen wollte. „Falls ich mich wohl fühle, kann ich mir auch vorstellen länger zu bleiben“, sagte sie. Meine Mitbewohnerinnen und ich sahen uns an und grinsten. FALLS sie sich wohl fühlen sollte? Noch nie habe ich einen Menschen getroffen, der sich hier nicht wohlgefühlt hat. Wer einmal hier gelebt hat, wird Bonn nie wieder aus seinem Herzen lassen. Also: Warum Bonn? – Weil es eben die schönste Stadt ist.

Ein Beitrag von Sophia Rogalla

Sophia studiert Medienwissenschaft in Bonn und liebt alles, womit sie stundenlang Zeit verbringen kann: neue Cafés entdecken, Rezepte ausprobieren oder sinnlose Diskussionen in den sozialen Netzwerken führen.

Sophia Rogalla

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