Yalla, Auslandspraktikum!

Veröffentlicht am 10. Juli 2019

 

Pause im Studium? Erste Arbeitserfahrung sammeln? Oder einfach mal für eine Zeit ins Ausland gehen wollen? Dann ist ein Auslandspraktikum genau das richtige für dich! Hier findest du einen persönlichen Erfahrungsbericht mit den wichtigsten Tipps, die du für deine Planung brauchst.

Egal, aus welchen Gründen, ein Auslandspraktikum lohnt sich immer!
Die Auswahl ist riesig – du kannst dich initiativ bewerben, aber falls du Unterstützung brauchst: Viele verschiedene Organisationen rund um die Uni herum bieten auch Praktika oder Freiwilligendienste an, zum Beispiel AEISEC.

Meine Aufgaben im Auslandspraktikum

Ich habe mein Praktikum über drei Monate im Libanonbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Beirut gemacht.

Kurz zusammengefasst: Ich hatte dort die schönste Zeit meines Lebens. Zu meinen Aufgaben in der Stiftung gehörte die Mitorganisation von Veranstaltungen (Workshops, Pressekonferenzen, Round Tables) sowie Recherche und der Onlineauftritt unseres Büros. Dabei habe ich spannende Menschen kennengelernt und konnte viel in Eigenverantwortung arbeiten.

Einen Abend lang, zum Beispiel, war ich mit dem Sekretären einer Ministerin Abends trinken, und es bot sich genug Zeit, um einen interessanten Eindruck in die libanesische Politik zu bekommen. Einen anderen Tag habe ich Wirtschaftsexperten gesprochen oder Frauen in einem Workshop unterstützt, die ihr eigenes Start-Up gründen möchten

Alleine in der großen Welt?

Ich hatte großes Glück: Das Team in unserem Büro und in den zwei anderen Büros der KAS vor Ort (das Syrien-Irak Büro und das Rule of Law Programm) war sehr nett und sehr jung. Meine Sorge, dass ich alleine ins Ausland gehe, dort niemanden kennenlerne und jeden Abend alleine Netflix schaue, hatte sich sehr schnell als unbegründet herausgestellt.

Das Gegenteil war nämlich der Fall, denn der Vorteil eines Praktikums: Wenn du Feierabend hast, hast du auch wirklich Freizeit und musst nicht abends noch was für die Uni tun. Ich hatte jeden Tag um fünf Uhr Schluss und war jeden Abend unterwegs. In Beirut haben wir (mein Mitpraktikant und ich) sehr schnell Libanesen kennengelernt, die mit uns Ausflüge unternommen und uns das Land gezeigt haben. Wir waren gemeinsam in Tripoli, Sour, Saida oder Jbeil, wir waren Skifahren, auf Technoparties, auf einem Dragqueen Contest oder bei libanesischen Familien zu Hause, die uns traditionelles Essen zubereitet haben.

Auslandspraktikum Libanon - Beirut am Meer
Beirut, die Hauptstadt des Landes, liegt mit seinen 1.5 Millionen Einwohnern direkt am Meer

Wie finanziere ich mein Auslandspraktikum?

Nur die wenigsten Praktika sind vergütet oder zahlen dir Unterkunft und Flug. Für Auslandsaufenthalte gibt es deshalb extra Stipendien. Mit dabei sind zum Beispiel politische Stiftungen oder etwa der Deutsche Akademische Austauschdienst. Über die Kosten, die auf dich zukommen, solltest du dich vor Antritt deines Praktikums aber auf jeden Fall informieren.

Besonders wichtig ist dabei auch, dass du dich erkundigst, wie und wo du im Ausland Geld abheben kannst. Du solltest dir auf jeden Fall eine Kreditkarte besorgen, um (in den meisten Ländern der Welt) kostenlos Geld abheben zu können.

Libanon Mount Lebanon
Schnappschuss auf dem Rückweg vom Skifahren im Mount Lebanon

Wo soll es hingehen?

Das hängt natürlich ganz davon ab, in welchem Bereich du dein Auslandspraktikum absolvieren möchtest, welche Sprachkenntnisse von dir gefordert werden und welches Land du sehen möchtest. Der Libanon zumindest ist vor allem durch die europäischen Medien nicht als sicheres Land bekannt – und trotzdem hatte ich kaum Einschränkungen vor Ort. Wie sicher dein Wunschziel ist, hängt aber natürlich von der Kultur und dem Zeitpunkt deiner Reise ab.

Wenn du für mindestens drei Monate aus Deutschland weggehst, lege ich dir ans Herz, etwas wirklich Neues auszuprobieren. Drei Monate reichen gerade genug aus, um sehr authentisch die Kultur des Landes kennenzulernen und genug Zeit zum Reisen zu finden. Vielleicht hast du sogar die Chance, von dort aus in die Nachbarländer zu reisen oder einfach eine Woche hinten an dein Praktikum dran zu hängen.

Auslandspraktikum Libanon - Tripoli
Die zweitgrößte Stadt im Libanon: Tripoli

Worüber du sonst vor Antritt deines Auslandspraktikums nachdenken solltest:

  • Deine Gesundheit: Auslandsversicherung abgeschlossen? Und bist du auch geimpft? (Hepatitis A und B, eventuell Gelbfieber. Dein Hausarzt kann dir diesbezüglich weiterhelfen und die Krankenkasse übernimmt das in der Regel.) Eventuell wird auch empfohlen, für den Einstieg gewisse Magentabletten dabei zu haben. Für die Mädels, wer braucht: Pille früh genug für die gesamte Zeitspanne besorgen!
  • Deine Unterkunft: Wenn du dir das zutraust, buche zuerst nur für eine Woche ein Hostel und suche vor Ort eine Unterkunft, denn meistens kommst du damit am günstigsten weg. Dafür gibt es Facebookgruppen, aber je nach Stadt ist auch AirBnB eine gute Alternative. Für den Libanon kann ich empfehlen, die Unterkunft nach der Lage auszuwählen: In Beirut gibt es nämlich (so gut wie) keine öffentlichen Verkehrsmittel und wir mussten jeden Tag zu Fuß laufen oder ein Taxi (bzw. „Service“) nehmen. Wer weiß, wo das auch so ist…?
  • Erkunde dich, ob du dich in dem Land frei bewegen darfst. Das Auswärtige Amt hat für jedes Land eine solche Übersicht erstellt, auch wenn ich vor Ort von meinen Vorgesetzten erfahren habe, dass die Lage längst nicht so kritisch ist, wie von der Bundesregierung angegeben. https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/reise-und-sicherheitshinweise/reisewarnungen
  • In einigen Ländern und Städten sollte man aber besonders aufpassen: In Kapstadt zum Beispiel empfiehlt es sich, ein Auto zu haben, weil dort die Überfallrate bei Ausländern (und die Vergewaltigungsrate) besonders hoch ist.
  • Passt auch alles mit der Uni? Schaue lieber mehrfach über deinen Studienverlaufsplan und über die Studienordnung rüber – nicht, dass du im Ausland wichtige Registrierungsphasen verpasst oder (so wie ich) auf einmal zu viele Veranstaltungen im Semester danach belegen musst, um rechtzeitig deinen Bachelorabschluss machen zu können.
Libanon Bus
„Öffentliche Verkehrsmittel“ in Beirut – seit dem Bürgerkrieg gibt es nicht mal mehr Bahnen

Kleines Plädoyer für den Libanon:

Der Libanon ist so ein wunderschönes Land! Wer zum ersten Mal in den Orient reisen möchte, ist hier genau richtig: Die Landschaft ist unglaublich vielfältig – wir waren Skifahren und innerhalb einer Stunde dann am Meer. Das Essen ist sooo gut, die Menschen sind offenherzig und hilfsbereit. Die Sprache war keine Barriere für uns, denn jeder konnte Englisch und Französisch sprechen. Wir waren jedes Wochenende feiern und wir konnten uns frei bewegen.

Vor allem die Stadt Beirut ist liberal, aber auch in den ländlichen Regionen kannst du dich als Tourist frei bewegen, solange du dich von einigen wenigen Ortschaften fern hältst, in denen die libanesische Armee nicht agieren kann, weil andere politische Institutionen militärische Kräfte unterhalten. Hier gibt es immer noch viele gesellschaftliche Spannungen, die zu Straßenschießereien führen können.

(An dieser Stelle könnte ich sehr stark ausschweifen – um nur ein paar Stichworte in den Raum zu werfen: Hisbollah, der sogenannte Islamische Staat, Korruption, Israel, Umweltverschmutzung … – aber vielleicht ergibt sich ja mal die Möglichkeit, einen eigenen Artikel über den Libanon zu verfassen)

Wenn du jetzt zum Thema Auslandspraktikum oder Libanon mehr Fragen hast, wende dich gerne an uns! Und wenn ein Auslandssemester doch die bessere Alternative für dich ist, schau doch mal hier: https://bonnkey.com/blog/auslandssemester/.

Ein Beitrag von Paula Randerath

Bonn ist ein Dorf. Liebevoll - und mit viel Potenzial. Und das will ich nutzen, erkunden und teilen. Ob universitär, musikalisch oder historisch... so viel wartet darauf, entdeckt zu werden! Und mein Lieblingsort: die Altstadt natürlich!

Paula Randerath

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